Hotpantsverbot an Schulen: Gute Kleidung, schlechte Kleidung

In der letzten Zeit kam es zu einer öffentlichen Debatte darüber, was Mädchen_ an Schulen denn tragen dürften und was nicht. Ein Auslöser hierfür war der Elternbrief einer Schwarzwälder Realschule. Darin heißt es:

„[…] in letzter Zeit müssen wir gehäuft feststellen, dass Mädchen der Werkrealschule sehr aufreizend gekleidet sind. Diese Entwicklung stimmt uns nachdenklich und wir haben entschlossen, dass wir an unserer Schule keine aufreizende Kleidung dulden wollen. […] Es geht uns dabei nicht um die Unterdrückung der Individualität Ihres Kindes. Wir wollen damit ein kleines Stück zu einem gesunden Schulklima beitragen, in dem sich alle wohlfühlen und in dem gesellschaftliche und soziale Werte gelebt und gefördert werden.“

Es geht um „aufreizende“ Kleidung, die Schüler und Lehrer ablenken würde und deshalb unangemessen sei. Bitte was? „Aufreizend“? Ablenken? Hier greift der Sexismus in zwei Richtungen: Mädchen_ werden zu Objekten gemacht, die ihre Kleidung aus ganz bestimmten Motiven auswählen würden und nicht etwa weil es ultraheiß draußen ist. Männer und Jungs werden gleichzeitig wie wilde Tiere beschrieben, die sich (und ihre Triebe) zusammenreißen müssten bei so vielen nackten Beinen.. Gehts noch?! Genau diese Assoziation bringt das kleine Wörtchen „aufreizend“ mit. Statt jetzt jene männlichen Klassenkameraden und Lehrern zu kritisieren (und für ein antisexistisches Schulklima zu sensibilisieren), werden die Mädchen_ selbst für deren sexistisches Verhalten verantwortlich gemacht. Das ist das Traurige an der ganzen Debatte: Mädchen_ und Frauen_ zu sagen, sie seien selbst Schuld an musternden Blicken und trügen eine Verantwortung für Übergriffe, nennt sich Victim Blaming. Und nichts anderes findet hier gerade statt. Die Mädchen_ sollen also selbst dafür sorgen nicht angeschaut zu werden. Es ist ziemlich bezeichnend und widerlich, dass Victim Blaming gesellschaftliche Normalität ist. Eigentlich gibt es keine gesetzliche Grundlage, keine Kleiderordnung an öffentlichen Schulen. „Gefährdeten Hotpants allerdings den Schulfrieden – sprich schauen die Jungs eher auf die Beine der Mädchen denn an die Tafel – darf die Schule eingreifen.“ (Schwarzwälder Bote). Gehts noch? Wer stört denn hier den Schulfrieden? Welche Werte sollen denn hier verteidigt werden? Die Lösung des Ganzen liegt sicherlich nicht darin, sich nur um die Hotpants und bauchfreien T-Shirts zu kümmern, sondern um jene, die diese Kleidung ablenkt, die sie nicht akzeptieren können und Mädchen_ verunsichern, obwohl es doch darum gehen sollte, das Selbstbewusstsein von Mädchen_ zu stärken wo immer es geht. Wir verteidigen weiterhin die Selbstbestimmung über den eigenen Körper und somit auch über die eigene Kleidung. Hotpants für alle!

Hier noch zwei starke Artikel zum Thema: Hotpantsverbot an Schulen: Aufreizend? Am Arsch! (taz-Artikel) & Hotpants, Miniröcke und was du sonst noch (nicht) anziehen darfst (Mädchenmannschaft-Artikel)

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