Solidarität mit der kurdischen Frauen_bewegung

Am 25. November 2016 hat in Freiburg eine Demonstration anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen stattgefunden. Dazu hat das Bündnis „16 Tage Stopp Gewalt an Frauen!“ aufgerufen, dass sich kurzfristig, aufgrund der aktuellen Geschehnissen, dazu entschieden hatte einen geplanten Stadtrundgang zu einer Demonstration auszuweiten. Auch wir haben mit einem eigenen Aufruf zu dieser Demonstration mobilisiert. Die Mehrzahl der Teilnehmer_innen waren Teil der kurdischen Bewegung in Freiburg. Bei dieser Demonstration kam es vermehrt zu diskriminierenden und rassistischen Aussagen sowie Handlungen gegenüber den kurdischen Frauen_. Wir möchten uns entschieden dagegen stellen und uns mit den kurdischen Frauen_ solidarisch erklären.
Erst einmal sind wir alle Frauen_! Egal an welchem Ort, sind Frauen_ international in unterschiedlichem Ausmaß von struktureller Gewalt betroffen. Gewalt an Frauen_ äußert sich ganz bestimmt nicht ausschließlich in der „klassischen“ Vergewaltigung, sondern ist alltäglich auf verschiedenen Ebenen präsent. Diese kann sich äußern in sexualisierter Gewalt, wie z.B. Vergewaltigungen als Kriegsverbrechen, körperlicher- und häuslicher Gewalt, struktureller Ausbeutung und Unterdrückung. Grundlage dafür sind patriarchale und kapitalistische Gesellschaftsstrukturen.
Wir können nicht nachvollziehen, dass Gewalt an Frauen_ in Kategorien wie Herkunft gedacht wird. Dass Kämpfe gegen Faschismus und Krieg, gegen kapitalistische Ausbeutung und rassistische Politik von feministischen Kämpfen getrennt gedacht werden. Denn unsere Kämpfe können nicht stehen bleiben bei Forderungen nach Gleichbehandlungsgesetzen, oder Frauenquoten. Erst mit einer strukturellen gesellschaftlichen Veränderung wird die Befreiung aller Menschen möglich. Hierfür müssen jedoch die Stimmen aller Frauen_, unabhängig von Status, Herkunft, sexueller Orientierung, Religion, und Alter auf den Straßen gehört werden. Die kurdische Bewegung ist hierbei für uns ein wichtiger Bezugspunkt. Denn mit dem Versuch in Kurdistan (Syrien, Türkei, Iran, Irak), eine Gesellschaft die ohne Nationalstaat auskommt, die auf der Gleichberechtigung und demokratischen Teilhabe aller Menschen aufzubauen, wird etwas geschaffen, das auch in uns die reale Hoffnung wachsen lässt, dass eine andere Welt möglich ist. Etwas von dem auch wir lernen können.
Kämpfe zur Befreiung der Frauen_ können nur funktionieren, wenn diese untereinander Rückhalt erfahren, gemeinsam gekämpft und unterstützt werden. Mit der Unterscheidung zwischen „unseren“ und „euren“ Kämpfen wird etwas gespalten, das zusammengehört. Die Solidarität. Nur durch den gemeinsamen Widerstand gegen Gewalt und Ausbeutung können die schon seit langem geführten Kämpfe von Frauen_ weltweit aufflammen.

Deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass Frauen_ der kurdischen Bewegung auf einer Demonstration gegen Gewalt an Frauen_ sprechen, um beispielsweise auf die Situation in Syrien und der Türkei, auf die Ermordung von Antifaschistinnen, oder jedwedes Thema welches ihnen zu diesem Anlass wichtig erscheint aufmerksam zu machen. Wir akzeptieren keinen Rassismus innerhalb feministischer Bewegungen!

Frauen_ und Mädchen_ Hand in Hand – organisiert den Widerstand!
Jin Jiyan Azadî – Frau, Leben, Widerstand

Januar 2017 | FeLi – Feministische Linke Freiburg

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